Parkett nach Estricharbeiten verlegen: Wartezeit entscheidet
Wer nach dem Estricharbeiten direkt mit dem Parkett beginnt, riskiert Schäden, die erst Monate später sichtbar werden. Frischer Estrich enthält chemisch gebundenes und freies Wasser. Dieses Wasser muss entweichen, bevor der Bodenbelag verlegt wird. Bleibt Restfeuchtigkeit eingeschlossen, quillt das Parkett auf, Fugen öffnen sich, und im schlimmsten Fall löst sich der Kleber vom Untergrund. Die Wartezeit ist deshalb kein Puffer, den man aus Zeitdruck verkürzen darf, sondern eine technische Notwendigkeit.
Wie lange gewartet werden muss, hängt vom Estrichsystem ab. Zementestrich trocknet pro Zentimeter Dicke etwa eine Woche, bei Calciumsulfatestrich geht es schneller, bei Anhydritestrich langsamer. Diese Faustregeln gelten nur bei günstigem Raumklima: 20 Grad Celsius, 50 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit, ausreichende Lüftung. Wer bei kühlen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit arbeitet, verlängert die Trocknungszeit erheblich. Bevor das Parkett verlegt wird, sollte man den Estrich auf Restfeuchte prüfen, denn nur ein Messwert mit dem CM-Gerät oder einem geeigneten Feuchtemessgerät zeigt, ob der Untergrund wirklich bereit ist. Optische Kontrolle reicht nicht, denn Estrich kann trocken aussehen und trotzdem zu feucht sein.
Die Folgen einer zu kurzen Wartezeit zeigen sich oft erst nach der ersten Heizperiode. Das Parkett arbeitet, weil sich die Holzfeuchte an die Umgebung anpasst. Ist der Estrich noch feucht, zieht das Holz Feuchtigkeit von unten. Die Folge sind aufgewoelbte Dielen, abgelöste Klebeflächen und Schimmelbildung unter dem Belag. Solche Schäden lassen sich nicht durch Nachbessern beheben, sondern nur durch komplettes Entfernen des Parketts. Die Kosten dafür übersteigen die Wartezeit um ein Vielfaches.
Vor dem Verlegen sollte der Estrich nicht nur trocken, sondern auch sauber, eben und tragfähig sein. Risse und lose Stellen werden ausgebessert, Staub abgesaugt, gegebenenfalls eine Grundierung aufgetragen. Wer diese Vorarbeiten sorgfältig erledigt und die gemessene Restfeuchte dokumentiert, hat eine solide Basis für ein langlebiges Parkett. Die Wartezeit ist also kein Ärgernis, sondern die Versicherung dafür, dass der Boden später keine Überraschungen zeigt.