Warum die Konfektionsgröße beim Nähen täuscht
Wer schon einmal ein Kleidungsstück nach der eigenen Konfektionsgröße zugeschnitten hat, kennt das Ergebnis: Der Schnitt sitzt an den Schultern zu eng, an der Taille zu weit oder die Ärmel hängen seltsam. Das liegt nicht am Schnittmuster, sondern an der Größenangabe selbst. Konfektionsgrößen sind keine Körpermaße, sondern standardisierte Tabellenwerte, die aus Durchschnittsdaten einer bestimmten Zielgruppe abgeleitet wurden. Sie wurden für die industrielle Fertigung entwickelt, nicht für individuell genähte Kleidung. Wer also 38 trägt, hat deshalb noch lange keinen Brustumfang von 88 Zentimetern. Die Zahl auf dem Etikett sagt lediglich, dass das fertige Kleidungsstück für eine Person mit ähnlichen Proportionen gedacht ist. Beim Nähen ist diese Information wertlos, weil der Stoff genau dort sitzen soll, wo er auf dem eigenen Körper gebraucht wird.
Die tatsächlich relevanten Maße sind schnell aufgezählt, aber ihre korrekte Erfassung entscheidet über den Sitz des fertigen Stücks. Gemessen wird am besten über leichter Unterwäsche, mit einem flexiblen Maßband, das nicht einschneidet. Der Brustumfang wird an der stärksten Stelle gemessen, der Taillenumfang an der schmalsten, der Hüftumfang an der breitesten. Dazu kommen Rückenlänge, Ärmellänge und Schulterbreite, die viele Hobbyschneiderinnen und -schneider schlicht vergessen. Ein häufiger Fehler ist das Messen über dicker Kleidung oder in gebeugter Haltung. Wer unsicher ist, findet unter arztbedarf-fassbender.de eine ausführliche Anleitung, die die einzelnen Schritte genau erklärt und zeigt, worauf es beim Maßnehmen wirklich ankommt.
Zwischen Konfektionsgröße und Körpermaß liegt oft mehr als eine Kleidergröße Unterschied. Ein und dieselbe Person kann nach Tabelle 40 tragen, nach Brustumfang aber einem Schnitt in 42 entsprechen und nach Hüftumfang sogar 44. Deshalb raten erfahrene Schneider dazu, sich niemals auf eine einzige Größe festzulegen. Stattdessen werden die Maße mit der Größentabelle des jeweiligen Schnittmusterherstellers verglichen, denn jede Marke arbeitet mit eigenen Grundlagen. Fällt ein Wert zwischen zwei Größen, wird die größere gewählt und an den betroffenen Stellen angepasst. Genau diese Anpassung macht den Unterschied zwischen einem Kleidungsstück, das irgendwie passt, und einem, das wie angegossen sitzt.
Wer regelmäßig näht, sollte seine Maße in Abständen neu nehmen. Der Körper verändert sich, und ein Schnittmuster, das vor zwei Jahren perfekt saß, kann heute an der Taille oder im Rücken zu weit sein. Ein einfaches Notizbuch mit den wichtigsten Werten genügt, um jederzeit darauf zurückgreifen zu können. Das spart Zeit und Frust, denn nichts ist ärgerlicher, als ein fertiges Teil auftrennen zu müssen, weil die Grundlage falsch war. Die Konfektionsgröße bleibt eine Orientierung im Laden, beim Nähen zählt der eigene Körper.